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"Im Angesicht des Grauens: Horror in bewegten/bewegenden Bildern"
Perverser Voyeurismus oder Überwindung der eigenen Ängste? –– Versuch einer Semiotik des Horrorfilms.

Ein Vortrag von Dagmar Travner
Auf Einladung der Neuen Wiener Gruppe | Sektion Ästhetik.
http://www.lacan.at/

Montag, 19.6.2017 19h30
Vinoe Vinothek | Sonderzahl Verlag
1080 Wien, Piaristengasse 35
Eintritt frei!

Synopsis:
The Blair Witch Project. Cat People. Die Präsenz. Night of the Living Dead. Wenn die Gondeln Trauer tragen – Don’t Look Now. The Texas Chain Saw Massacre. Dracula. Frankenstein. Dr. Mabuse. The Birds. Dance of the Vampires. A Chinese Ghost Story. Snuff-Movie. Klingende Namen für Filme, die einen schönen Schauer verursachen – ja, davon leben, richtige Furcht beim Publikum zu erzeugen.
Horror hat eine lange Tradition. Nach Aristoteles erregt die griechische Tragödie Furcht und Mitleid, um eine Reinigung (Katharsis) der eigenen Gefühle zu erreichen. Grimmsche Märchen kennen wir als Beschwörung von Urängsten; und im 18. Jahrhundert entstanden die Gothic Novel beziehungsweise der Schauerroman, ihr deutsche Gegenstück – Literaturströmungen, das die heutigen Gothic- und Horrorbewegungen wesentlich beeinflusst haben.
Kein Filmgenre ist so stark in den unterschiedlichsten Zielgruppen repräsentiert und dadurch so weit verbreitet wie der Horrorfilm, wobei die Motive seiner Subgenres vielfältig sind: Doppelgänger, Zwillinge, Spiegel, Geisterwelt, Katzenmenschen, unheimliche Kinder, beseeltes Spielzeug, Untote, Vampire, Serienmörder, Kannibalen, Folter, Sexploitation, Snuff, Zombies, Gespensterhäuser, gefälschte Authentizität, Besessenheit, Aliens, drastischer Horror mit expliziter Gewalt, Verstümmelungen, geschundene Körper in Splatter-, Gore- and Slasher-Filmen. Doch nicht nur bezüglich seiner zahlreichen Subgenres ist „der Horrorfilm“ geradezu unüberschaubar. Hinsichtlich Produktion (Hollywood-, Independent-, Amateur-Streifen), Finanzierung (große und kleine Filmproduktionen, Eigenfinanzierungen, Sponsoring, Crowd-funding, ja sogar via Facebook) und Vertriebswege (große bekannte stehen kleinen Underground-Verleihen gegenüber, Kino, CD, Netflix, YouTube, Download, Streaming) entwickelt sich dieses Genre extrem schnell und passt sich so den sich verändernden Sehgewohnheiten des Publikums rasch an – ein Phänomen, das sonst nur beim Pornofilm zu beobachten ist.
Worin besteht die geradezu wollüstige Faszination des abstoßend Gruseligen? Warum setzt man sich negativer Gefühle freiwillig aus? Denn auch wenn – oder gerade weil – man sich im Kino oder zu Hause in Sicherheit den Film anschaut, so ist doch der kalte Schauer des Grauens bis unter die Haut körperlich zu spüren. Geht es um das Besiegen der eigenen Ängste? Oder ist es einfach perverse Lust, die uns drastisch blutrünstige Szenen voyeuristisch miterleben lässt? Sind alle Horrorfilm-Süchtigen selbst entweder Sadisten (durch Identifikation mit dem personifiziert Bösen im Horrorfilm) oder Masochisten (durch Identifikation mit dem Opfer), die ihre abartigen Phantasien nicht in der Wirklichkeit ausleben wollen, sondern stattdessen medial befriedigen? Oder tun sie gar beides?
Und wo es nicht um spritzendes Blut, tiefe Wunden und freigelegte Eingeweide geht, sondern das Unbehagen bei den Zu-Schauer-Innen lediglich durch angstverzerrte Gesichter, eine stark verwackelte subjektive Kamera und seltsame, unheilschwangere Geräusche transportiert wird: Worauf ist in diesem Fall das Gefühl des Unheimlichen zurückzuführen, wenn die Angst der DarstellerInnen lediglich in ihrer Mimik gespiegelt wird? Zumal diese Filme, oft Found-Footage-Filme, also gefälschte Dokumentationen, wesentlich angsteinflößender sind als Blut-Spritzer und Eingeweide-Orgien.
Es drängt sich, wie oben erwähnt, auch hier der Vergleich mit expliziten Porno-Darstellungen auf. Das Betrachten fährt direkt in den eigenen Körper ein, beim Porno werden wir allein durch das voyeuristische Anschauen anderer Menschen, die Sex haben, physisch erregt. Doch im Gegensatz zum Sexfilm verbreitet der drastische Horrorfilm Angst, Gewalt und Schrecken, den wir körperlich miterleben. Geht es dabei um ein voyeuristisches Aufgeilen am Schmerz anderer? Lassen Spiegelneuronen unsere Ängste tanzen? Handelt es sich um eine besondere Form der Isopathie – ist es der Versuch, eigene Urängste mit künstlich erzeugter Angst zu bekämpfen? Oder ist es Angst-Lust, die schließlich eine Katharsis bewirkt? Was geschieht mit/in unseren Körpern, während wir – selbst in Sicherheit – die Gefahren, die Ängste und ja, die Folterungen der ProtagonistInnen physisch mitfühlen?
(Dagmar Travner)









Sneak peeks in German and for the first time also in English!

Sneak peek: short stories and flash prose in English

Leseproben: Kurztexte und Geschichten auf Deutsch



NEWS

Schreibprojekt 2017



Arbeit an dem Projekt
„Die Mantiden-Manuskripte“
- eine Sammlung künstlerischer Skurrilitäten mit erotischen Anklängen
davon bereits Veröffentlichungen einzelner
Short Stories in diversen Publikationen.


Project HAIKU



Working on the publication of my Haiku collection 57 Silent Songs and Sheets together with Regina Hadraba (drawings)